Christus aktiviert

Predigt vom 30.03.25

Johannes 6, 47-51

47 Ich sage euch die Wahrheit: Wer an mich glaubt, der hat jetzt schon das ewige Leben!

48 Ich selbst bin das Brot, das euch dieses Leben gibt!

49 Eure Vorfahren haben in der Wüste das Manna, das Brot vom Himmel, gegessen und sind doch alle gestorben.

50 Aber hier ist das wahre Brot, das vom Himmel kommt. Wer davon isst, wird nicht sterben.

51 Ich bin dieses Brot, das von Gott gekommen ist und euch das Leben gibt. Jeder, der dieses Brot isst, wird ewig leben. Dieses Brot ist mein Leib, den ich hingeben werde, damit die Welt leben kann.”

Christus aktiviert

Wasser des Lebens – in Frankreich kennt man jenen farblosen Obstbrand, der das Leben leicht und beschwingt macht. Manch einer hat schon so viel davon getrunken, daß er daran zugrunde gegangen ist – am Wasser des Lebens.

Ein gesundes Maß an Skepsis schadet also nicht, wenn man darauf achtet, was genau man ißt und trinkt.

Ich bin das Brot des Lebens“ sagt Christus. Das ist eine ernst zu nehmende Alternative.

1. Lebendiges Brot

2. Hält nicht nur am Leben

sondern

3. Verwandelt die Welt

1. Lebendiges Brot

“Ich bin das Brot des Lebens.”

Christus offenbart sich als Lebensmittel: „Ich bin“.

Er sagt nicht „Ich bin wie das Brot des Lebens“ – sondern: „Ich bin Brot.“

„Dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde, damit die Welt lebt.“

Christus gibt.

Christus offenbart Gottes Lebenswillen – nicht dadurch, daß er sich zu einem Symbol für Brot macht, sondern: „Ich bin“.

Christus offenbart Gottes erste und letzte Absicht: Leben.

Gott ist lebenshungrig. Seine erste Idee heißt Leben.

Er ist schuld daran, daß es Leben überhaupt gibt.

Für jeden Atemzug ist er die Ursache. Leben ist sein Motiv.

Wollte man ein Leitbild Gottes verfassen wie das Leitbild eines Konzerns, würde ein einziges Wort ausreichen: Leben.

Gott ist der Konzernchef von Leben &Co- lebendig sein, sehen, schmecken, hören, riechen können, die Freude am Sein.

Es gibt ihn nicht, jenen finsteren Gott, den manche Theologen skizzieren, der voller dunkler Seiten und Abgründe steckt, zugleich gut wie böse ist.

“Leben” ist Gottes Wort, „Es werde!“ seine Anweisung, Wachsen, Reifen und Gedeihen sein Ziel. Gott steckt voller Lebensabsicht. Für ihn existiert der Altersbegriff gar nicht, weil Leben nie zu Ende geht. Gottes Lebensbegriff ist überregional.

Er reicht weit über regionales Sterbenmüssen hinaus in eine überregionale, ewige Welt – grenzenlos. Alles, was Gott ist und tut, ist auf diese Grenzenlosigkeit ausgerichtet. Alles an ihm ist überregional: Über-Wissen, Über-Glauben, Über-Ahnen, Über-Führwahrhalten, Über-Zweifeln und auch Über-Hoffen.

Ewig siebzehn sein ist Gottes Künstlertraum. Für ihn kann Leben nur Leben voller Zukunft sein, im tiefen Sinne, aus Freude am Dasein, am Schaffen-    und Gestalten-Können.

So kann auch Glaube nur darin Glaube sein, daß er diese Absicht Gottes erfasst.

Leben wird konkret in Christus, im Brot des Lebens.

„Ich bin dieses Nahrungsmittel, das Gottes Traum verwirklicht, werden lässt.“ – sagt Christus.

Christus ist das Brot, in dem ewiges Leben anfaßbar, Wahrheit, Wirklichkeit wird.

Er ist der einzig göttlich zugelassene Nährstoff für die ewige Welt.

2. Das hält nicht nur am Leben

Ohne billige Treibmittel, ohne giftige Restsubstanzen sollte gesunde Nahrung sein.

Gesunde Nahrung soll aber auch was zum Genießen und zum Dran-Freuen sein.

Das Brot des Lebens ist beides.

Christus kann nur Nahrungsmittel für die Welt sein, wenn er die Blockaden und Irrtümer im Denken des Einzelnen beseitigt.

Glauben und annehmen kann Christus nur, wer wie Gott denkt.

Gott genießen kann nur, wer Gott aushält.

Das feinste Brot nützt nichts, wenn’s nicht gegessen wird. Das Brot für die Welt kann nur dort seine Kraft entfalten, wo es gegessen wird.

Christus will nicht nur am Leben erhalten, er will befreien – von allen Schatten, die das Dasein verdunkeln, vertraurigen und verzerren.

Es geht nicht ohne Auseinandersetzung.

Leider leben wir in der verzerrten Welt, in einer Wirklichkeit, in der das Bild von Gott verdunkelt wurde, so daß er nicht zu sein scheint. Christus kann nur dort aktiv werden, wo die Verzerrung des Gottesbilds bemerkt und beendet wird. Nur dort endet auch das Sterbenmüssen.

Gottes Lebensabsicht ereignet sich nur dort, wo wir zustimmen. Christus kann nur dort die Welt ernähren, wo sie ihren Hunger bemerkt.

In der Bergpredigt wendet sich Christus nicht umsonst an Menschen, die Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit Gottes. Wer keinen Appetit auf Gott hat, den kann selbst das beste Vollkornbrot nicht satt machen.

Selig sind nicht die Coolen oder Gleichgültigen, sondern die Suchenden, die An-die-Wand-Gedrückten. Der Glaube kann sich nur dort ereignen, wo ich den Glaube an mich selbst verloren habe und das zugeben kann.

Christus ist das Brot, das diesen Hunger stillt. Das hält nicht nur am Leben, sondern

3. Verwandelt die Welt

“Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben.”

Christus wandelt, er verwandelt vor allen Dingen den Tod – zurück in Gottes Idee, in Leben.

Er verwandelt Sünde in Gerechtigkeit, das Unvermögen in’s Vermögen. Das ist etwas, was nur er alleine kann. Wir können`s eben nicht. Wir scheitern kläglich daran, so zu sein, wie wir sein sollten oder wollten. Wir scheitern an unseren Schatten, die uns folgen oder vorauseilen, ganz gleich, ob wir sie lieben oder nicht.

Nicht ich transformiere mich in ein höheres Sein, Christus aktiviert mich. Gott liebt mich. Er verwandelt mich.

So eine Umformung braucht Kraft, eine Kraft, die nur Gott selber hat, die uns zur Verfügung gestellt wird in der Eucharistie, in der Feier des Mahls, in der der lebendige Christus gegenwärtig ist.

Es wird ja viel diskutiert, ob Abendmahl oder nicht und wann ja, wie oder wie nicht. Es gibt neuere, auch sehr erfolgreiche Gemeindekonzepte völlig ohne Abendmahl. Die Frage steht aber schon auf, wie die verwandelnde Kraft Gottes wirksam werden soll, wenn man sein Mahl nicht empfangen will. Wie soll Christus Brot des Lebens sein, wenn in seiner Kirche keins mehr gegessen wird?

Es sind nicht nur katholische Theologen, die solche Fragen stellen.

Brot des Lebens will empfangen sein.

„Wer mein Fleisch isset und mein Blut trinket, der bleibt in mir und ich in ihm“ übersetzt Luther.

Es geht Christus offensichtlich nicht um einen nur gedanklichen Vollzug.

Er will spürbar werden.

Es geht um das Vertrauensverhältnis, das die verwandelnde Kraft Gottes spürbar macht.

Christus bindet seine Gegenwart an die Elemente des Mahles“ sagt der protestantische Theologe Voigt.

Gottes Lebensabsicht will speziell in der Eucharistie spürbar sein.

Mit Verweigern oder Wegrationalisieren kommt man nicht vorwärts.

Gott will den Vertrauensvollzug – nicht nur die Absicht zur Gemeinsamkeit, sondern gelebte Augenblicke des Vertrauens in der Eucharistie.

Sein Angebot von Nähe ist in Christus so konkret geworden, daß es zur Totalhingabe geführt hat.

Wieviel Hingabe darf Christus von seiner Kirche erwarten oder von Menschen, die an ihn glauben?

Das Vertrauensverhältnis kann nur dort gelingen, wo der Einzelne Vertrauen wagt.

Gott wagt das Vertrauen in uns – sonst gäbe es Christus selbst und das Angebot als solches nicht.

Es ist wie bei jedem Miteinander, es gelingt nur, wo jeder seinen Teil dazu beiträgt.

Gott will Leben – Leben, das niemals aufhört, die Schatten des Todes überwindet, sich täglich erneuert.

Christus will in uns ständig gegenwärtig sein. Er in uns, wir in ihm. Er nimmt uns mit in seine Auferstehung.

Er trägt ins Leben – nicht nur teilweise, sondern ganz.

In Christus wartet mit Christus Leben auf uns, Leben der anderen Art, das nicht zersetzt ist von den Schatten und Bitterkeiten unserer Gegenwart. Gott nimmt uns in dieses Leben hinein auf geheimnisvolle Art.

Feiern wir das Geheimnis seiner Gegenwart, verwirklicht sich Christus in uns. Das kann nur unser Vorteil sein. Im Abendmahl beginnt der Glaube aus der Zukunft zu leben, zu der wir bestimmt sind  – eine Zukunft im Erstaunen über der Gegenwart des Heiligen.

Verwandeltes Leben fängt heute schon an an allen, die sich verwandeln lassen – und das verwandelt die Welt in der Feier der Eucharistie. Amen.

 

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